So entsteht ein Paradox:
Regulierung, die wirtschaftliche Macht begrenzen soll, kann Größe selbst zum Wettbewerbsvorteil machen.
Die Antwort darauf kann jedoch nicht lauten, große Unternehmen einfach zu verhindern.
Die interessantere Frage lautet:
Können Unternehmen groß werden, ohne immer zentralistischer zu werden?
Vielleicht sollten wir dafür einmal nicht in ein Lehrbuch der Betriebswirtschaft schauen, sondern in die Natur.
Ein großer Organismus besteht schließlich nicht aus einer einzigen gigantischen Zelle.
Er besteht aus Milliarden Zellen.
Sie sind spezialisiert, besitzen eigene Funktionen und reagieren auf ihre unmittelbare Umgebung. Gleichzeitig kommunizieren sie miteinander und nutzen gemeinsame Versorgungssysteme.
Autonomie und Gemeinschaft sind dort keine Gegensätze.
Auch in unserer Wirtschaft existieren bereits Ansätze dieses Prinzips.
Industrieparks zeigen beispielsweise, dass wirtschaftlich eigenständige Unternehmen gemeinsame Infrastruktur nutzen können: Energieversorgung, Logistik, Werkschutz, Feuerwehr, Entsorgung oder technische Dienstleistungen müssen nicht von jedem Unternehmen neu aufgebaut werden.
Das ist Coopetition: Kooperation und Wettbewerb gleichzeitig.
Man arbeitet zusammen, wo Zusammenarbeit Vorteile schafft – und bleibt eigenständig oder konkurriert dort, wo Wettbewerb Innovation hervorbringt.
Genau an diesem Punkt beginnt die Idee der Zellgesellschaft.
Nicht ein immer größer werdender zentral gesteuerter Konzern, sondern ein wachsender Organismus aus überschaubaren, weitgehend eigenverantwortlichen unternehmerischen Zellen.
Daraus entstehen drei erste Prinzipien:
Nicht Wachstum begrenzen. Zentralisierung begrenzen.
Autonomie in der Wertschöpfung. Gemeinsamkeit in der Infrastruktur.
Wettbewerb, wo er besser macht. Kooperation, wo sie stärker macht.
Vielleicht liegt die Zukunft großer Unternehmen also nicht darin, wieder kleiner zu werden.
Vielleicht müssen wir lernen, anders groß zu werden.
Teil 2: Was Unternehmen von der biologischen Zelle lernen können – und wo die Analogie ihre Grenzen hat.

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